Movida 2/2000
Das Land denen, die es kaufen
Der PAKT und seine Folgen, Teil 5
Seit mehr als einem Jahr beschäftigt der Pakt zwischen der Regierungspartei PLC und der FSLN-Elite nicht nur die nicaraguanische Bevölkerung, seine Auswirkungen waren öfters auch schon Thema der movida. Während lange deutlich geworden ist, dass die beiden Gruppierungen die Aufteilung und Zementierung der politischen Macht gegenüber anderen Akteuren durchsetzen, wird der Pakt jetzt auch zur Absicherung wirtschaftlicher Interessen eingesetzt.
In diesem Kontext steht der jüngste Vorschlag von FSLN und PLC, das Eigentumsgesetz Nr. 218 von 1997 zu reformieren. Dies betrifft besonders die sogenannten »ArbeiterInneneigenen Betriebe« (APT), die als ehemals staatliche Betriebe bei der Privatisierung ab 1990 den ArbeiterInnen zugesprochen wurden. Seither werden sie als Aktiengesellschaften unter der Leitung von FSLN-Funktionären geführt. Die ArbeiterInnen sind die AktionärInnen. Viele dieser Betriebe befinden sich bis heute in einer rechtlosen Situation, denn ein Eigentumstitel wurde nur ausgestellt, wenn die Betriebe beim Staat abgelöst wurden (Vorkaufsrecht der ArbeiterInnen). Mitte der 90er Jahre fand sogar eine Darlehenskampagne des alternativen Kaffeehandels in Deutschland zur Unterstützung des ArbeiterInneneigentums statt.
Die gerade vorgelegte Gesetzesreform sieht vor, die Zahlungsfrist um 20 Jahre zu verlängern. Zur Absicherung der Schulden wird in diesem Fall eine zweite Hypothek verlangt. Der Staat tritt als Gläubiger an die zweite Stelle zurück und Banken, Privatpersonen oder Unternehmen werden dann zu Hauptgläubigern. Parallel dazu sollen sofort Eigentumstitel für die noch nicht bezahlten Betriebe ausgestellt werden. Das hatten sowohl die Chamorro- als auch die Alemán Regierung bisher verhindert - in der Hoffnung, die Betriebe würden vorher zusammenbrechen.
Tatsächlich befinden sich die APT-Betriebe in einer wirtschaftlich desolaten Situation. Dies ist einerseits eine Folge der finanzpolitischen Ausgrenzungspolitik der Regierung, andererseits aber auch Produkt interner Misswirtschaft und Korruption zugunsten einer kleinen Gruppe von Technokraten und Gewerkschaftsfunktionären aus den Reihen der FSLN-Führung. Die angeblichen EigentümerInnen, die ArbeiterInnen, sind strukturell weitgehend von wirklicher Beteiligung ausgeschlossen. Ihnen werden oft keine Bilanzen vorgelegt, in einigen Fällen müssen sie sich gerichtlich ihre Rechte erstreiten (zuletzt wurden dabei ArbeiterInnen im Bananensektor durch den Rechtshilfefonds des Informationsbüro Nicaragua unterstützt).
Viele Betriebe wurden bereits weiterverkauft, meist an Gruppen des sandinistischen Wirtschaftsblocks, die heute auch die Parteiführung dominieren. In einigen Fällen haben die ArbeiterInnen dabei nicht einmal ihre Arbeitsplätze behalten.
Für die FSLN ist das APT-Eigentum von strategischer Bedeutung. Seine Absicherung ist einer der Hauptgründe für den Pakt und die politischen Zugeständnisse an die Liberale Regierungspartei. Die »Paktierer« bezeichnen die neue Gesetzesvorlage als Schritt zur schnelleren Legalisierung der Landtitel der APT-Betriebe. Die Protestbewegung, die sich in der Alianza Agraria formiert hat, befürchtet in dem Gesetz jedoch vor allem die Grundlage für den Verkauf der Betriebe an Großgrundbesitzer, wie sie sich auch unter den Wirtschaftsgewinnlern innerhalb der FSLN finden lassen.
Auch die zusätzliche Hypothek zugunsten Dritter erhöht den Druck auf die bereits dekapitalisierten Betriebe und führt bei Zahlungsunfähigkeit dazu, dass die Betriebe von den Gläubigern gekauft werden können.
Die Auseinandersetzung um das Eigentum an Produktionsmitteln und das Überleben auf dem Land wird noch stärker von der offen politischen auf die vermeintlich marktwirtschaftliche Ebene verschoben. In dieser Situation haben die ArbeiterInnen den Kaufinteressen der mächtigen Interessenten wenig entgegenzusetzen.
Unterstützen Sie Rechtshilfefonds den Infostellen El Salvador, Guatemala und Nicaragua für die Landkämpfe in Mittelamerika, Kto. 917 179 bei der Stadtsparkasse Wuppertal, BLZ 330 500 00
Oder den Landfonds des Informationsbüro Nicaragua mit dem alternative Landprojekte unterstützt werden, Konto 976 738 - Stichwort: Land - bei der Stadtsparkasse Wuppertal, BLZ 330 500 00.
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Kultur in movida
Beiträge aus der Zeitschrift des Informationsbüro NicaraguaMovida - das heißt Bewegung, Unruhe, Dynamik. Bewegt sein heißt auch, einen Prozess zu durchleben. Für viele AutorInnen, MusikerInnen, MalerInnen, TänzerInnen ist die (eigene) Kunst der Prozess der Auseinandersetzung mit dem, was ist. Schließlich wurden soziale Veränderungen und Kämpfe von jeher auch auf dem Gebiet der Kultur ausgetragen. In einem Land wie Nicaragua ist diese Auseinandersetzung immer wieder durch ein widersprüchliches Verhältnis von Politik und Kultur gekennzeichnet. Teilweise wurde z.B. die Literatur von der sandinistischen Politik für die eigenen Zwecke genutzt, als Dienst an der Revolution. Gleichzeitig entwickelte sich hieraus aber auch eine strukturelle Veränderung: Immer mehr Menschen konnten lesen und sich schriftlich ausdrücken.
Mit dieser Movida wollen wir eine lose Reihe von Beiträgen zu kulturellen Themen in Nicaragua beginnen. Hierbei sollen AutorInnen zu Wort kommen, die sich auf Nicaragua beziehen, die Vergangenes (z.B. das sandinistische Jahrzehnt) und Gegenwärtiges innerhalb eines Kontextes sehen: Kultur als Ausdruck und Reflexion gesellschaftlicher Auseinandersetzung und - Bewegung.
Jeder Mensch ein Dichter
AutorInnen, Literatur und Verlage in Nicaragua
Man kann nicht von Literatur und Büchern in Nicaragua sprechen, ohne Rubén Darío zu erwähnen, der um die Jahrhundertwende nicht nur die lateinamerikanische, sondern die gesamte spanischsprachige Literatur revolutionierte und den sogenannten Modernismus schuf. Der größte Dichter Nicaraguas wurde im kleinen Dorf Metapán, heute Ciudad Darío, zwischen Managua und Sébaco geboren und wuchs in León auf, bevor er nach Chile, Argentinien und schließlich Paris ging, von wo er 1906 in einem wahren Triumphzug nach Nicaragua zurückkehrte. Sergio Ramírez, der bekannte nicaraguanische Romancier, hat seinen letzten Roman über den Dichter und die Leoneser Gesellschaft geschrieben und führt diese in ihrer rührend-skurrilen, provinziellen Dimension vor. Wie relativ der Begriff des Modernismus bzw. wie rückständig die gesamte spanische Literatur jedoch war, zeigt sich daran, dass viele von Daríos Texten an die Romantiker erinnern, zum Beispiel Heine, der sein Buch der Lieder ja fast ein dreiviertel Jahrhundert früher schrieb. Nichts desto trotz verfasste Darío auch Gedichte wie die Ode an Roosevelt, in der er das katholische Amerika, also Lateinamerika, aufstehen läßt gegen das protestantische Imperium im Norden, und so eignet er sich perfekt dazu, von links wie von rechts als große nationale Ikone anerkannt zu werden.
Tatsächlich begründete der Poet eine große nicaraguanische literarische Tradition, die einzigartig ist in der Region: Das Land hat mit Abstand die besten AutorInnen Zentralamerikas hervorgebracht hat.
Die heute international bekannten zentralamerikanischen SchriftstellerInnen, Ernesto Cardenal, Gioconda Belli und Sergio Ramírez, sind alle NicaraguanerInnen - und nach wie vor gilt der Satz, dass in Nicaragua jeder Mensch ein Dichter ist, solange man ihm nicht das Gegenteil bewiesen hat.
Es gibt natürlich auch eine soziokulturelle Erklärung für dieses Phänomen: Die nicaraguanische Gesellschaft war viel stärker und bis in die jüngste Zeit eine quasi "vorkapitalistische", halb-feudale Gesellschaft. Nach dem Scheitern der liberalen Revolution bzw. ihrer Zerschlagung durch die USA und in der Zeit der Diktatur Somozas blieb dieser Zustand mit einer burguesía bewahrt, die eher aristokratische Züge trug und eine Elite bzw. Elitenkultur hervorbrachte, die auch zu großen literarischen Leistungen fähig war. Dies soll nicht heißen, dass die anderen Länder der Region nicht auch ihre hervorragenden DichterInnen haben: Costa Rica seinen Joaquín Gutiérrez und die jüngere Carmen Naranjo, Guatemala seinen Mario Monteforte Toledo, Honduras seinen Roberto Soza und El Salvador natürlich Roque Dalton, Claudia Lars und Manlio Argueta. Jedoch waren diese Länder im obigen Sinne "moderner" und brachten daher eher eine Kultur und Literatur der Mittelschicht hervor.
Verklärungen
Die Nachfolger Daríos, allen voran der große Patriarch der nicaraguanischen Literatur, José Coronel Urtecho, der erst vor wenigen Jahren hochbetagt starb und mehreren Generationen von DichterInnen Lehrmeister war, sind durchaus ambivalent einzuschätzen: Nicht selten hatten sie eine völlig unreflektierte Neigung zum Faschismus, nicht gerade der deutschen Art, sondern eher der italienischen, den sie für etwas volksnahes, romantisch-antikapitalistisches hielten - aus der Ferne sieht man eben nicht immer besser. Ihre Literatur ist geprägt von der romantischen Verklärung der eigenen Mestizenkultur (wie etwa bei Pablo Antonio Cuadra in Por los caminos van los campesinos) und der sozialkritischen Sicht wie in einigen Texten von Manolo Cuadra oder Joaquín Pasos. Auffällig ist, wie wenig Affinität die DichterInnen Nicaraguas zum Kampf Sandinos gehabt haben: Nur Salomón de la Selva hat sich damit beschäftigt, hat auch Texte zum Verhältnis Nicaragua-USA geschrieben. Doch eine kulturelle Begleitbewegung zum Kampf Sandinos war im Ausland (etwa in Mexiko) stärker als im Lande selbst.
Politisierung der Kultur
Dies änderte sich im politischen Kampf der FSLN in den sechziger und siebziger Jahren: Inzwischen hatte man erkannt, wie wichtig Kunst und Kulturarbeit bei der Vermittlung politischer Inhalte sein können, und auch die Kulturschaffenden waren, im Gefolge der kubanischen Revolution, durchaus bereit zu politischem Engagement. Ernesto Cardenal begann, die Geschichte seines Landes von der Conquista bis zur Gegenwart zum Gegenstand seiner Gedichte zu machen, Sergio Ramírez gründete mit Ricardo Morales Avilés die wichtige Kulturzeitschrift Ventana, und die Gruppe Gradas - Stufen (weil sie meist auf den Stufen vor Kirchen auftraten) - machte mit Musik und Lesungen besten Agitprop in der Bevölkerung: Carlos Mejía Godoy, Rosario Murillo und Gioconda Belli gehörten zu dieser Bewegung.
Nachholbedarf
Nach dem Sieg der Revolution kam es natürlich, nach so vielen Jahren der Zensur - in denen auch Werke wie Rot und Schwarz von Stendhal konfisziert wurden, weil die Diktatur dachte, es wäre ein sandinistischer Text - zu einem ungeheueren literarischen Boom, wobei der enorme Nachholbedarf wegen Contra-Krieg und Wirtschaftsblockade nur teilweise befriedigt werden konnte. Da es bis dato noch kein Verlagswesen in Nicaragua gegeben hatte und die Buchproduktion, wo sie nicht Schulbuchproduktion war, von Instituten oder sich als Mäzene betätigenden Banken und Unternehmen betrieben wurde, mußte viel aufgeholt werden: Die Regierung gründete den Staatsverlag Editorial Nueva Nicaragua, dem Vizepräsident Sergio Ramírez vorstand, die FSLN den Verlag Vanguardia, das Kulturministerium publizierte unter dem Namen La Ocarina. Gedruckt wurden vor allem - zumindest eine ganze Weile - die Testimonios, Zeugnisse des Befreiungskampfes, eine Art kollektiver Traumatherapie für AutorInnen und LeserInnen, aber auch, entsprechend der literarischen Tradition Nicaraguas, sehr viele Gedichte neuer und alter DichterInnen, erzählende Literatur, Klassiker.
Die jüngere Generation hatte es dabei allerdings nicht leicht, sich gegen die vacas sagradas, die heiligen Kühe, durchzusetzen - erst nach 1990, sozusagen als Teil aller anderen politischen Veränderungen, gelang es den jungen AutorInnen, sich Gehör zu verschaffen. Und auch den nicht "linientreuen" jungen DichterInnen, die - etwa in der Tradition von Carlos Martínez Rivas, den Ernesto Cardenal als den besten zeitgenössischen Dichter Nicaraguas bezeichnet - zwar nicht gegen die Revolution eingestellt waren, jedoch einen eigenständigen Kunstbegriff für sich in Anspruch nahmen und sich dagegen wehrten, nur politische Literatur zu verfassen, fiel es manchmal schwer, zu veröffentlichen und im Literaturbetrieb wahrgenommen zu werden. Es sei denn, man hatte einen padrino oder eine madrina wie etwa Rosario Murillo, die Frau von Daniel Ortega und Vorsitzende der ASTC, der sandinistischen Vereinigung der Kulturarbeiter.
Dichterinnen
Bemerkenswert war die Entwicklung der Literatur von Frauen in der Revolution: Dichterinnen wie Vidaluz Meneses, Michele Najlis, Daisy Zamora, Ana Ilce Gómez und Gioconda Belli hatten hier den gesellschaftlichen Zusammenhang, in dem ihre Texte positiv rezipiert und gewürdigt wurden, und sie trugen ihrerseits entscheidend zur Definition eines neuen Frauenbildes in der von Traditionalismus, Paternalismus und Machismo geprägten nicaraguanischen Gesellschaft bei.
Mittel und Möglichkeiten
Entsprechend dem auch in anderen Bereichen der Revolution herrschenden fröhlichen Chaos konnten auf jeden Fall alle, denen es gelang, die entsprechenden Mittel dafür zu besorgen, also Geld und Materialien, publizieren, was man publizieren wollte. Natürlich hatten bei der Suche nach Finanzierungen Regierung und Frente meist die besseren Karten. Doch auch die Institute und Organisationen bemühten sich, so gut sie konnten, Publikationen zu fördern.
ErzählerInnen
Nach den politischen Veränderungen von 1990, nach dem Ende der Revolution also, hat die literarische Produktion ohne Zweifel zugenommen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es vorher keine ErzählerInnen in Nicaragua gegeben habe: das zu meinen, hieße die alte eurozentristische Sichtweise zu reproduzieren, Realität entstünde erst, wenn sie mit dem europäischen Auge wahrgenommen wird, hieße das Werk des großen nicaraguanischen Erzählers und Romanciers Lizandro Chávez Alfaro unterschlagen, dessen wunderbare Geschichten und Romane sich durchaus zur Weltliteratur zählen lassen - freilich einer, die nicht mit Bertelsmann-Maßstäben mißt - und der gerade mit dem Roman Columpio al aire seiner Heimat, der Atlantikküste, ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Hieße auch zu übergehen, daß es ErzählerInnen wie Juan Aburto, Carlos Alemán Ocampo und Rosario Aguilar gab und gibt, die zwar nicht die Bekanntheit eines Sergio Ramírez und einer Gioconda Belli erreichen konnten, doch gleichwohl zum literarischen Reichtum Nicaraguas beigetragen haben.
Daß es in Nicaragua generell die erzählende Literatur gegenüber der Dichtkunst, der poesía, immer schwerer gehabt hat als in den anderen Ländern Zentralamerikas, erklärt sich aus klassenspezifischen Besonderheiten wie den schon weiter oben beschriebenen: der Roman, die "große literarische Form", ist die literarische Form der bürgerlichen Gesellschaft und paßte somit nicht zur halbfeudalen Klassenstruktur des vorrevolutionären Nicaragua, die auch einen halbfeudalen kulturellen Überbau zeitigte.
Neue Generation
Auch die Zunahme der erzählerischen Produktion in den letzten Jahren läßt sich, eher als mit der Idee, man habe nun mehr Zeit zum Nachdenken, aus solchen klassenspezifischen Entwicklungen erklären: Eindeutig bedeutete die sandinistische Revolution, in gesellschaftlicher Basis und kulturellem Überbau, einen Modernisierungsschub, der andere literarische Formen möglich machte. Die sich dann auch eine neue, nachrückende Generation von AutorInnen zunutze machte, über die politischen Grenzen hinweg, und ein literarisches Tableau entwirft, das manchmal in der Rückschau auf die turbulenten Jahre der Revolution besteht, manchmal jedoch auch überraschend wenig mit der Vergangenheit zu tun hat: das Bild einer jungen nicaraguanischen Generation auf der Suche nach einem Weg und einem Platz in der globalisierten Welt, die den südlichen Kontinenten zunächst einmal einen Stehplatz zuweisen will.
Eroberung des Marktes
Das Ende der sandinistischen Regierung fiel auch zusammen mit dem Beginn des Siegeszuges des globalisierten Kapitalismus, und der hat im Bereich von Literatur und Buchproduktion bzw. -vertrieb natürlich ebenfalls seine Auswirkungen auf Nicaragua. In den Neunzigern kehrten nach und nach die spanischen, mexikanischen und nordamerikanischen Verlage in die Region zurück, nachdem ihnen die nordamerikanische Regierungsagentur USAID mit einem großangelegten Subventionsprogramm für technische Fachbücher den Weg dafür bereitet hatte: McGraw-Hill, Prentice Hall und die anderen großen US-amerikanischen Verlage publizieren alle spanisch, den Markt lassen sie sich nicht entgehen. Ein Berater von Violeta Chamorros Bildungsminister Humberto Belli, der Spanier Jesús de Santiago, wurde reich mit dem unter der Hand vergebenen Schulbuchgeschäft - es mußten ja riesige Mengen neuer, d.h. nicht-sandinistischer Schulbücher gedruckt und vertrieben werden - und besitzt jetzt die größte Buchhandelskette Nicaraguas, Hispamer. Im Verlagsrat sitzen Humberto Belli und Kardinal Obando y Bravo.
Eingeschränkte Eigenständigkeit
So ist eine eigenständige Buchproduktion schwierig geworden: Neben Hispamer gibt es als autonomen, professionellen Verlag eigentlich nur noch das Unternehmen anamá Ediciones, das sich bemüht, die Anstöße und begonnen Linien der sandinistischen Revolution im literarischen Bereich weiterzutragen. So arbeitet anamá eng mit dem Centro Nicaragüense de Escritores zusammen, dem Schriftstellerverband unter Vorsitz von Ernesto Cardenal, der in Kooperation mit dem norwegischen Schriftstellerverband und der norwegischen Agentur NORAD ein jährliches Programm von ca. 16 Titeln vorlegt. Solche kleineren Projekte und Initiativen sind unbedingt zu stützen, um den nicaraguanischen AutorInnen einen professionellen Zugang zur und eine Beteiligung an der internationalen Literaturszene zu ermöglichen - und dafür zu sorgen, dass sie und die Inhalte ihrer Bücher in der Welt wahrgenommen werden.
