Von der Machete zur Spitzhacke

Soli-Brigade baut in zwei Gemeinden Nicaraguas

Nach drei Vorbereitungswochenenden in Deutschland trafen sich zwölf Brigadistas Anfang August in Matagalpa. Geplant war, drei Wochen lang in der Gemeinde Pancasan mit der Partnerorganisation Movimiento Comunal Nicaragüense Matagalpa (MCM) ein casa comunal, ein Gemeindeaktionszentrum zu errichten. Doch das anvisierte Grundstück hatte kurz zuvor eine allein erziehende Mutter von der Gemeinde bekommen. Janett Castillo vom MCM reagierte schnell und unkompliziert – den enttäuschten Brigadistas präsentierte sie mehrere Alternativen.


Das MCM ist eine unabhängige Organisation mit dem Ziel, die Selbstorganisation zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der städtischen und ländlichen Bevölkerung zu fördern. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, Katastrophenprävention, Gesundheitsprävention und Umweltschutz. In der politischen Bildung nehmen die Themen der politischen Partizipation und der Geschlechterverhältnisse einen großen Raum ein. Für diese Arbeit brauchen sie Gemeindeaktionszentren in den Dörfern.
Für die Brigade ging es zunächst in das Dorf La Reyna in der Gemeinde San Ramón. Der Bau eines quiosco – eines kleinen Treffpunktes für Jugendliche – stand nun auf dem Plan. „Wir wollen hier Getränke und Essen verkaufen, um Geld für unsere Jugendgruppe zu verdienen“, erläuterte die zwanzigjährige lokale Vorsitzende Johanna Del Carmen Diaz Mátuz und freute sich über die spontane Unterstützung.
Angelernt wurde die Brigade vom jungen Lenin Ruiz, der geduldig die Arbeitsschritte erklärte. Beton mischen, Bambus schlagen und mit der Machete Bäume schälen traute er uns zu, während er die Konstruktion übernahm. Staunend lernten die Brigadistas, wie aus einem Wasserschlauch eine Wasserwaage wird.
Die Holzstämme für den Bau wurden auf einer sechsstündigen Wanderung durch die umliegenden Berge besorgt. Grüne Aussichten über die Täler und frisch gepflückte Orangen unterwegs entschädigten die Anstrengungen.
Die Zeit bestand jedoch nicht nur aus Arbeit, denn nachmittags wurden gemeinsame Ausflüge unternommen. Carlos Rugama Diaz, ebenfalls Koordinator des MCM in La Reyna, wusste viel über die Geschichte des Dorfes, seine Goldmine, die Zerrissenheit während des Contrakampfes oder die heutige Arbeit auf den Maisund Bohnenfeldern zu berichten.
Mit einem Theaterworkshop wurden Geschlechterverhältnisse – diesjähriger inhaltlicher Schwerpunkt der Brigade – thematisiert und diskutiert.

Nach einer eindrucksvollen ersten Woche stand dann der Bau einer casa comunal in El Bocón, einem kleinen Dorf in der Gemeinde San Isidro, an. Das MCM hatte inzwischen alle organisatorischen Vorbereitungen getroffen. Der Empfang der Brigade war herzlich. Das an einem Berghang abgeschieden liegende Dorf wartete schon viele Jahre auf ein Gemeindeaktionszentrum. Wieder wurden die Brigadistas von Familien aufgenommen, die in ihren Häusern zusammenrückten. Die Familien nahmen die Brigade in ihre Gemeinschaft auf und durch den gemeinsamen Alltag, geteilte Mahlzeiten, Arbeit und Ausflüge wurden es zwei bereichernde Wochen für alle.
Der steinige, trockene und unebene Boden musste für das Fundament des Hauses ausgehoben werden. Nach der schweren Arbeit mit Spitzhacken und Eisenstangen in der Hitze der Sonne war es eine willkommene Abwechslung, im Schatten der Bäume Stahlträger zu konstruieren.
Bei einem Ausflug auf den Gipfel des Berges war die Brigade bereits mit ihren Familien zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Alle stimmten in Lieder wie Bella Ciao und Puerta Negra ein, die Brigade und Kinder sich gegenseitig beigebracht hatten.
Zum Abschluss der beiden Wochen in El Bocón fand dort der zweite Workshop zu ungleichen Rollen von Männern und Frauen statt. Die Neugier und das Interesse, sich mit den Brigadistas über Geschlechterverhältnisse auszutauschen, zeigt, dass mehr als nur ein casa comunal entstanden ist. So war dann auch der Abschied traurig und es flossen einige Tränen.

Die Brigade machte sich auf den Weg zum Strand, um dort zwei Tage das Erlebte zu reflektieren, sich auszuruhen und auf die kommenden zwei Wochen Interview-Programm vorzubereiten.

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