Movida 3/03
 

 

Beiträge aus der Zeitschrift des Informationsbüro Nicaragua

 
 

Mehr Rauschen als Flimmern

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Die Bedeutung von Radios in Nicaragua


"Wenn ein Radio die Teilnahme der Bürger fördert und Ihre Interessen verteidigt; wenn es sich zur Aufgabe macht den Geschmack der Mehrheit mit Witz und Hoffnungen zu treffen; wenn es wahrhaft berichtet; wenn es hilft die tausend und eine Probleme des Alltags zu lösen; wenn im Programm alle Gedanken behandelt werden und alle Meinungen geachtet werden; wenn die kulturelle Vielfalt statt der Vereinheitlichung der Vermarktung angeregt wird; wenn die Frau Trägerin der Kommunikation ist und nicht bloße Dekoration oder Lockvogel der Werbung; wenn keine Form der Diktatur toleriert wird; nicht einmal die Musik von den DJs aufgezwungen wird; wenn die Worte Aller ohne Diskriminierung und Zensur fliegen, dann ist es ein Radio comunitaria." José , Koordinator von AMARC.

Die Radios Comunitarias entsprechen etwa unseren Bürgerradios oder freien Radios, wie etwa Radio Dreyeckland, das vor 25 Jahren aus der Anti-Akw Bewegung hervorging. Sie sind allerdings vielfältiger und haben durch die Entwicklung des Rundfunks in Lateinamerika eine andere Akzeptanz. In einer Zeit in der sich neue Kommunikationsmedien ausbreiten bekommen Radios eine wachsende Bedeutung, für alle Randständigen und Subkulturen, für Frauen, Indigene, Jugendliche, Sprachminderheiten, Linke, Landarbeiter und Bauern. Befreiungsbewegungen entdecken das Potential der Radios als Mittel der politischen und kulturellen Einflussnahme.

Obwohl das Internet ein vielfältiges Kommunikationsmittel ist, bedeutet die Abhängigkeit von einer Telekommunikationsinfrastruktur, dass Armut eine Zugangsbeschränkung darstellt. In Nicaragua ist die Hälfte der Bevölkerung arm. Bei einem Fünftel ist die Ernährungslage prekär. Extreme Armut existiert vor allem in ländlichen Gebieten, besonders an der Karibikküste. Nicht selten bedeutet Armut soziale Isolation. Das Radio hilft, diese zu durchbrechen. Es ist weit verbreitet, zugänglich und erschwinglich und damit das häufigst genutzte Medium. Die geringen Produktionskosten machen es möglich, sich auf lokale Belange zu beziehen und auch in lokalen Sprachen zu senden. Während Radio in Lateinamerika regional bzw. national produziert wird, entstehen 62% der Fernsehprogramme in den USA. So senden in Peru ca. 180 Stationen in Quetchua während es kein einziges Fernsehprogramm in dieser Sprache gibt. Radio übernimmt die Funktion des Telefons in abgelegen Gegenden. Dort werden persönliche Nachrichten aller Art, Notrufe und sogar medizinische Ratschläge übertragen. In ländlichen Gegenden werden Informationen über die Preise landwirtschaftlicher Produkte übermittelt, was bedingt gegen Spekulationen hilft.

In Nicaragua gibt es 180 Radiosender, 70 Fernsehkabelbetreiber und 13 TV Kanäle, davon 20 Radio- und 10 Kabelfernsehbetreiber an der Karibikküste. Die Hälfte der Haushalte besitzen Radiorekorder, ein Drittel Radios, ein Drittel SW Fernseher und ein Viertel Farbfernseher. An der Atlantikküste besitzen 5 Prozent einen Fernseher. 1998 hatten durschnittlich 1,2% der Haushalte Computer, 0% an der Atlantikküste. Die Benutzung von Computern ist auf den öffentlichen Bereich beschränkt. Auch die Internet-cafes, die es in den größeren Städten gibt, sind bei einem Preis von mind. einem Dollar den Reicheren vorbehalten.
Es gibt einen Kampf um die Kontrolle über die Medien. Die liberale Partei kontrolliert 3 TV Kanäle, mehrere Sender und finanziert mit öffentlichen Mitteln zwei Tageszeitungen. Um politische Indoktrination zu verbreiten, schließen sie sich mit mexikanischen Unternehmern zusammen, die Erfahrung in der Gründung von Medienmonopolen haben.
Die Liberalisierung im Telekommunikationsmarkt hat dazu geführt, dass mehr Stationen die gleiche Zahl von Zuhörern beliefert. Da der Werbungsmarkt nicht wächst, hat die Verringerung von Einnahmen zu Einsparungsmaßnahmen geführt, und zu einer Konzentration des Medienmarktes. Viele kleine Stationen in Lateinamerika, die nach der Liberalisierung entstanden, sind inzwischen Teil nationaler oder internationaler Netzwerke geworden. So sind in Argentinien und Brasilien hunderte ehemals unabhängiger kleiner Stationenen zu Repeater Stationen des Satellitennetzwerks geworden.

Geschichte des Rundfunks in Lateinamerika

    "Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln... Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, d.h. er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hörend, sondern auch sprechend zu machen und ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müsste demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren."
    Berthold Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat, 1932


Das Radio zeigt unterschiedliche Entwicklung in den verschiedenen Regionen der Erde. Während das Radio in Europa und seinen Kolonien seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vom Staat betrieben wurde, entwickelte sich diese Medium in Lateinamerika weitaus vielfältiger. In einer 50 jährigen Tradition werden sie vom Staat, kommerziellen Anbietern, der Kirche, Gewerkschaften, Universitäten und indigenen Gruppen betrieben. Das erste Bildungsradio des Kontinents ging 1947 in Kolumbien auf Sendung. 1952 erkannten bolivianische Minenarbeiter, dass Radiosendungen mehr Publikum erreichte als Flugblätter. Sie setzten die Forderung durch, dass sie mehr als 20 Frequenzen für ihre Sendungen bekamen und so ein Netzwerk für ihre Gewerkschaft schaffen konnten.
In den letzten 3 Jahrzehnten gab es einen Anstieg von Radiostationen, die von Initiativen mit sozialen Anliegen, wie dem Peruanisch Feministischen Radiokollektiv betrieben werden. Gehört werden die Radiosendungen in den Armenvierteln durch "bocinas", Lautsprecher, die das Wohnviertel beschallen. Nicht zu vergessen sind auch die klandestinen Guerilla Stationen. In El Salvador wurde von Radio Venceremos 11 Jahre lang über den Kampf des Volkes berichtet, bevor es durch den Friedensvertrag legalisiert wurde. Inzwischen sind auf dem Subkontinent in Gebieten, in denen Kommunikation anders nicht möglich ist, die Radios zu einer Art Telephon geworden. Sie sind zu einem Medium der Bildung geworden, ebenso wie zu einem Medium der Aufklärung über die Rechte der Bevölkerung. Auf dem G-8 Gipfel in Quito kamen 1996 über 400 Radio und Filme-Macher aus Lateinamerika zusammen, die ihr Recht auf legale Anerkennung durch die Regierungen einforderten.
"Sie nennen uns Piraten. Ein Pirat ist jemand der ein Schiff betritt um eine Schatz zu nehmen, der ihm nicht gehört. Die Radiowellen sind ohne Zweifel ein Schatz. Aber wir nutzen sie um unser Recht auf Kommunikation auszuüben. Sie sind ein unschätzbarer Schatz, aber einer der allen gehört. [...] Wir nehmen was uns gehört, das Recht zu sprechen. Darum geht es wenn wir über Gemeinderadios sprechen: Die Freiheit der Zivilgesellschaft sich auszudrücken."
José Ignacio López Vigil

Radiolandschaft und Organisationen in Nicaragua

In Nicaragua sind zwei überregionale Organisationen vertreten, die sich mit dem Aufbau von radios comunitarias beschäftigen. Die Asociación Latinoamericana de Escuelas Radiofónicas (ALER) und die Asociación Mundial de Comunitarias (AMARC).
ALER wurde 1972 von 18 lateinamerikanischen Stationen und Bildungseinrichtungen gegründet, um Erfahrungen auszutauschen. Diese Einrichtungen und Radios bieten ein allgemeines Bildungsprogramm an; vor allem für Menschen, die weder lesen noch schreiben können. Ziel von ALER ist die "Stärkung der Bewegung der Volks- Radios und der Demokratisierung der Kommunikation in Lateinamerika und der Karibik". Erreicht werden sollte eine Einflußnahme auf die gesellschaftliche Entwicklung zugunsten der armen Bevölkerungsgruppen durch gemeinsame Projekte mit anderen Radios und durch die Verbreitung einer humanen und/oder christlichen Identität. In Nicaragua gehören die Escuelas Radiofónicas de Nicaragua (ERN) und das Radio Universidad dazu. Die ERN begann 1966 als Einrichtung für die Erwachsenenbildung. Bis 1979 wurden Sender gemietet um eine Volksbildung durchzuführen. Danach wurde das Radio als Mittel für Alphabetisierung durch offene Programme ersetzt, mit Themen wie Gesundheit, Naturmedizin, organische Landwirtschaft, etc.. Dazu gehörte auch das Programm "Erhobene Faust" in dem Lehrgänge für PromotorInnen der Alphabetisierung abgehalten wurden. 1985 wurden sozioökonomische Projekte unter dem Motto "Für jedes sozioökonomische Projekt ein Projekt der Volksbildung" begleitet. In dieser Zeit wurde Hilfe angeboten für die Errichtung von Wohnraum, Latrinen, Trinkwassersysteme und Schulen. 1983 wurde außerdem ein Programm für die ländliche Entwicklung gestartet. Weitere Themen waren die Verbesserung der sozialen Infrastruktur, Gemeindeorganisation und Geschlechtergleichstellung. Hauptzielgruppe sind heute kleine ländlichen ProduzentInnen, die in traditionellen Gemeinwesen leben, bei einer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen und Armut durch angemessene Produktionsmethoden und sozialer Organisierung zu mindern. Außerdem sendet Radio Universidad seit 1984 als einziges studentisches Radio.
AMARC ist ein internationaler Zusammenschluss von 3000 Mitgliedern in 106 Ländern. Zum AMARC gehören 35 nicaraguanische Sender, d.h. ein Drittel der UKW Stationen des Landes. International werden vor allem Themen wie Recht und technische Weiterbildung behandelt. Dabei geht es um Alternativen zu den vorherrschenden Formen der Kommunikation im öffentlichen und kommerziellen Rundfunk, die Schulung zum Betrieb von Radios.
Als Schwierigkeiten der Umsetzung einer demokratischen Medien- und Rundfunklandschaft gelten: Geringe Präsenz der Alternativen, technische Unterkapitalisierung, mangelnde Professionalität, personelle und finanzielle Beschränkung und Organisationsprobleme Um diese Probleme zu lösen soll ein Büro in Managua errichtet werden, das die Kommunikation zwischen AMARC und ALER verbessern soll. Ein Ausbildungszentrum soll sowohl die Schulung von Radiomacher/innen übernehmen, als auch Material produzieren und verteilen. Ein gutes Beispiel ist das Centro de Comunicación an der Universität URACANN in Bilwi in der autonomen Atlantikregion. Es ist das einzige an der Karibikküste, dort wird sowohl audiovisuelles Material als auch ein Internetzservice angeboten.
AMARC sieht ein Problem in der Hoheit des Staates über die Vergabe der Sendefrequenzen, diese werden an politisch Nahestehende oder nach kommerziellen Erwägungen vergeben. Durch das Telekommunikations- und Postdienstgesetz kann der Staat in die inhaltliche Gestaltung der Sendungen eingreifen. Das letzte Problem ergibt sich durch den globalen Wettbewerb und der damit verbundenen Monopolisierung. Diese Erscheinung ist im Medienbereich hinlänglich bekannt. In Nicaragua sind es vor allem mexikanische Firmen, die versuchen den Medienmarkt zu kontrollieren.

Neben den beiden oben genannten übernationalen Zusammenschlüssen wurde 2002 das Radios Populares Projekt gegründet. Es macht sich zur Aufgabe "lokal produzierte, unabhängige Medien in lateinamerikanischen Gemeinschaften, die soziale, ökonomische, politische und ökologische Gerechtigkeit anstreben, zu fördern". Dies soll durch Bereitstellung von Ausrüstung, Schulung und technische Hilfe erreicht werden. Bisher wurden eine kleine UKW Station in Honduras für die Landarbeiterorganisation Centro National de Trabajadores del Campo eingerichtet. Eine weitere Station wurde in Oaxaca in Mexiko für eine Jugendgruppe, die auch geschult wurden, errichtet. Sie wollen andere Jugendliche über die Auswirkungen der neoliberalen Wirtschaft auf ihre Gemeinden unterrichten. Das nächste Projekt soll im Herbst in Mulukuku in Nicaragua beginnen. Die Maria Luisa Ortiz Kooperative und das Frauen-Gesundheitszentrum wollen dort ein Radio Projekt einrichten. Seit 1991 arbeiten sie für 30.000 Menschen, die in der Region leben.

Auf einer anderen Ebene setzen Organisationen wie das Red de comunicadores rurales de las Segovias an. Die von Menschen aus dem Medienbereich gegründete Organisation will die Situation der Kommunikation auf dem Land verbessern. Neben Zeitung und Fernsehen wird auch bei ihnen das Radio als wichtiges Medium angesehen. Ihr Projekt will Männern und Frauen aus der Landbevölkerung in Techniken der Kommunikation schulen. In Workshops sollen sie die Angst vor dem Mikrofon verlieren.

Zwei Beispiel von Radios sollen die Bandbreite der radios comunitarias demonstrieren.

Die Radio Stereo Kilambé in Wiwili wurde von dem privaten Verein ADEM (Asociacion de Desarrollo Municipal de Wiwili - Verein für Kommunalentwicklung) 1999 in Betrieb genommen. ADEM selbst entstand mit Unterstützung des Kooperationspartners der Städtepartnerschaft Freiburg-Wiwili in Nicaragua.
Mit Hilfe eines 20 Watt Senders informiert Radio Stereo Kilambé die Bevölkerung über die ökologischen und sozialen Projekte von ADEM, steht aber auch anderen Gruppen und Institutionen zur Verfügung. Neben dem Musikprogramm, das von Jugendlichen und einem Lehrer unentgeltlich gestaltet wird, berichten Mitarbeiter von ADEM über politische Ereignisse, örtliche Begebenheiten, Folklore, den schonenden Umgang mit der Natur und Naturmedizin. Das Radio wird auch für Geburtstagsgrüße und für Einladungen genutzt, um Menschen in den entlegenen Kommunen über Feste, Workshops, Versammlungen und Besuche zu informieren.

"Radio Pirata": Dieser Sender aus Managua mit einer Reichweite von 40 km sendet sein Programm auch über Internet. Es hat ein Kulturprogramm mit internationalem Musikprogramm und nationaler Poesie. Ziel ist es nationale Künstler in die Programme zu bringen. Geplant ist die Produktion von Programmen über Kinderrechte, Umwelt und sozialen Themen in einem musikalisch-kulturellem Kontext. Außerdem soll ein Tonstudio die Produktion von regionaler Musik fördern.

Die Rechtslage der Radios

In Nicaragua werden die Radiofrequenzen vom Staat auf Grundlage einer Verordnung über Telekommunikation und Post vergeben. Die Frequenzen werden für drei Jahre bewilligt und können nicht veräußert werden. Im Vorentwurf eines Gesetzes wurden diese Bestimmungen beibehalten, von den beteiligten Gremien aber abgelehnt. Die Unión Nicaragüense de Radiodifusoras, ein

Unión Nicaragüense de Radiodifusoras, ein Zusammenschluss von Sendern hat mit Bolaños vereinbart, die Sendeerlaubnisse auf 5 Jahre auszudehnen. Allerdings wird dies als nicht ausreichend angesehen, um das Überleben der kleineren Stationen zu garantieren.
Die radios comunitarias kommen im Gesetzentwurf, im Gegensatz zu vielen anderen lateinamerikanischen Staaten wie El Salvador, nicht vor. Zu erwähnen ist auch der Teil der Gesetzesinitiative, der den Zugang zu Sendefrequenzen durch eine Versteigerung organisieren will. Auch hier wären kleinere Stationen wie die radios comunitarias benachteiligt

Die Positionen von AMARC Nicaragua zur Entwicklung der Radios

Die Mehrheit der Gemeinschafts- und öffentlichen Radios haben ihren Ursprung in den achtziger Jahren als Mitglieder der CORARED Corporación radial del pueblo. Seitdem sind die Radios Bestandteil des öffentlichen Sektors auf dem Land und in der Stadt. So gab es in der Öffentlichkeit eine Übereinkunft, dass das Karibische Netzwerk der Radios die Verantwortung für die Verbreitung und Einhaltung der Rechte der indigenen Dörfer und Volksgruppen übernimmt. Eine ungelöste Frage ist, wie das soziale Profil der Radios erhalten werden kann. Als soziale Dienstleistung oder als kommerzieller Sender. Die radios comunitarias, die sich in Informationsbetriebe wandeln um sich finanziell selbst zu tragen, haben das Risiko, dem Konkurrenzdruck der kommerziellen Sender zu erliegen, oder ihre soziale Funktion einzubüßen. Die radios comunitarias müssen ihre Rechte gegen die politischen Kräfte und die Wirtschaft durchsetzen, die die Ausstrahlungen und Beiträge reglementieren wollen. Außerdem müssen die radios comunitarias sich die Anerkennung verschaffen, die das Fernsehen und die Presse haben. Daher ist eine Organisierung unumgänglich.

Ein anderes Problem ist der Zugang zur Technik, die Qualität der Sendungen und die Reichweite der Sender. Wir befinden uns inmitten einer technischen Revolution, die sich als eine Zusammenführung von Texten, Bildern und Tönen ausdrückt, dem Hypertext. Multimedia nimmt neue Räume ein. Daher liegt es auf der Hand, warum in Nicaragua einige nationale Firmen und führende Politiker mit Hilfe mexikanischer Unternehmer 8 TV Kanäle, verschiedene Radiosender und eine Zahl von Printmedien kontrollieren. So werden in Mexico heute 95.5% des Radios und Fernsehens von 9 Familien kontrolliert. Der Verdrängungswettbewerb schließt auch ländliche Gegenden wie die Gemeinde von Siuna in der Autonomen Atlantikregion ein. Dort sind Geschäftsinitiativen entstanden, die mit besserer Ausstattung und einem Gewinninteresse mit den radios comu-nitarias konkurrieren und dabei mehr Sendungen mit mehr Reichweite zu geringeren Kosten anbieten.
Es gibt aber auch innovative Initiativen, wie die vom Centro de Comunicación, das die Universität in Bilwi (Puerto Cabezas) an der Atlantikküste. Dort werden Dienstleistungen wie audiovisuelle Produktionen, Gestaltung und Druck angeboten und der Internetdienst der Region realisiert, ein Versuch, der von den Mitgliedern von AMARC und ALER aufgenommen werden sollte.

Ein positives Beispiel ist die Verdrängung von nationalen Radios durch die kleinen lokalen Sender. Selbst zwischen den Mitgliedern von AMARC gab es diesen Wettbewerb: die Lokalradios in mehreren Regionen haben die Zuhörerschaft von Radio Universidad, das national ausstrahlt verringert. Die radios comunitarias schaffen Raum für NGO's, Vertreter der Indigenas, für Wortführer der Zivilgesellschaft, um unzensiert eine große Öffentlichkeit zu erreichen.
Der Hauptverbündete der radios comunitarias ist die Zivilgesellschaft und ihre Organisationen. Sie ist eine Verbindung, die wiederbelebt werden muss, um eine gemeinsame Agenda zu schaffen. Dazu muss auch der Vorteil dieser Radios in der Bevölkerung deutlicher werden. Obwohl die radios comunitarias mehr als 30% aller Radios in Nicaragua ausmachen, ist es erforderlich weiter darüber zu informieren. Es gibt Unterschiede zwischen städtischer und ländlicher Wahrnehmung von radios comunitarias. Ihre Bedeutung in ländlichen Gemeinden und bei indigener Bevölkerung wird höher eingeschätzt als bei der städtischen Bevölkerung. Diesen Zustand gilt es zu überwinden.

Einige Links zum Thema Radio:
Radiospopulares - Unterstützungsinitiative für kommunale Radios
Radio pirata - Online-Radio aus Nicaragua
Radio Dreyeckland
AMARC - Dachverband unabhängiger Radios
Linkliste der AMARC
Communica.org - Informationen über lokale unabhängige Medien
Download des Buches von Ignacio López Vigil
Dachverband für Bildungsradio in Lateinamerika

 
 

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