Movida 1/03
 

 

Beiträge aus der Zeitschrift des Informationsbüro Nicaragua


 
 

IX Feministisches Treffen Lateinamerikas und der Karibik

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Der feministische Widerstand gegen die Auswirkungen der Globalisierung


Vom 1. – 5. Dezember 2002 fand in Costa Rica das IX Lateinamerikanische und Karibische Feministische Treffen unter dem Motto "Aktiver Widerstand gegen neoliberale Globalisierung" statt. Es kamen 850 Frauen aus mehr als 20 Ländern zusammen, darunter 143 Frauen aus Nicaragua, 112 aus Costa Rica, aber auch Frauen aus Europa (71) und aus Nordamerika (26) waren anwesend. Das Treffen findet seit 1981 alle drei Jahre in unterschiedlichen Ländern Lateinamerikas oder der Karibik statt.

Drei große Themenblöcke standen zur Diskussion in verschiedenen Foren:
1. Der feministische Widerstand gegen die Auswirkungen der Globalisierung.
2. Analyse der transnationalen Wirkungen von Patriarchat und Kapitalismus (Entwicklung einer globalen Zivilgesellschaft, Gewalt in der Globalisierung)
3. Der weibliche Körper in diesem Kontext (Gesundheit, Biotechnologie, Umwelt, feministische Identität in der Globalisierung).

Zentrales Thema war der aktive feministische Widerstand gegen die neoliberale Globalisierung. In zahlreichen Plenen, Workshops und Arbeitsgruppen wurden die Auswirkungen diskutiert und analysiert. Schwindende Einkommensmöglichkeiten, höhere Kosten für den Haushalt durch die massive Privatisierung von Kommunikation, Energie und Wasser haben überproportionale Auswirkungen auf die Situation der Frauen.
Auch die Tendenzen, den Gesundheits- und Erziehungssektor zu privatisieren und kostenpflichtig zu machen, verringert die Ressourcen der Familie. Die Arbeitssituation in den Maquiladoras verletzt die gewerkschaftlichen und die Menschenrechte von Frauen. Im Namen des freien Marktes würden die politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Strukturen geopfert. Der feministische Kampf gegen die neoliberale Globalisierung findet in vielen Arten statt, in Nichtregierungsorganisationen, in sozialen Bewegungen, aber auch bei Frauen, die Positionen innerhalb der Regierungen und spezieller Behörden innehaben.
In den verschiedenen Workshops haben die Frauen Berichte zu ihrem Überlebenskampf in Konfliktsituationen in Lateinamerika eingebracht, sie berichteten von dem bewaffneten Konflikt und den Folgen in Kolumbien, von dem ungeklärten Mord an 300 jungen Frauen in der Stadt Juárez in Mexiko, von der wirtschaftlichen Situation in Haiti.
"Wir sagen "Ja" zur Globalisierung von Liebe und Solidarität, zu einer offenen und pluralistischen Kommunikation und zu einer Technologie, die den Bedürfnissen der Menschen dient. Wir sagen "Nein" zu dem Massaker an den Frauen in Juárez, Mexiko, zu der US-Blockade von Kuba, weil dies die kubanische Autonomie verletzt." Auch ein Aufruf an die lateinamerikanischen Regierungen, die internationalen Schulden nicht weiter auf Kosten der sozialen Situation ihrer Bevölkerung zu bedienen und die Korruption zu bekämpfen, waren Teil der Abschluss-Statements. Die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft in den Maquiladoras wurde kritisiert. Die Doppelmoral mancher geldgebender Staaten, die einerseits soziale Projekte, andererseits aber auch Krieg und neoliberale Strukturpolitik finanzieren, wurde kritisiert.
Aber auch Theaterstücke von Frauengruppen wurden aufgeführt. Das Colectivo de Mujeres 8 de Marzo aus Managua führte das Stück "Carnabaliada" auf, das auf den Vagina-Monologen basierte.
Parallel fand der erste Gipfel der Indígenen Frauen in Oaxaca, Mexico, mit mehr als 300 Teilnehmerinnen statt. Vertreterinnen von beiden Foren waren jeweils wechselseitig anwesend und haben Perspektiven und Ideen für den Widerstand ausgetauscht. Aber auch Live-Übertragungen zwischen beiden Kongressen waren möglich.
Das Abschlußplenum begann mit der Lesung wunderschöner Gedichte aus 10 Ländern, vorgetragen von den Autorinnen selbst, darunter Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Honduras und Haiti.
Der Kongress endete mit der Forderung nach Selbstbestimmung der Menschen, dem demokratischen Gebrauch neuer Formen der Kommunikation, und dem Kampf für eine Welt ohne Rassismus, Ungleichheit und Marginalisierung 2005 wird das nächste feministische Treffen Lateinamerikas und der Karibik in Brasilien stattfinden.
www.9feminista.org

 
 

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Kurznachrichten

 

Nicaragua News Service des Nicaragua Network, Washington


Kaffeepreis leicht gestiegen
Der Preis für 46 kg Kaffee (ein Sack) ist auf 63 $ gestiegen, erreicht aber immer noch nicht die erforderlichen $ 70 – 75 der Produktionskosten.
Allerdings wurden die Kosten der Erntearbeiten als unterste Grenze für die Finanzierung durch Banken festgelegt diese werden ungefähr 20 $ geschätzt.
Nicaragua News Service 6.1.2003

IWF sollte sich humanisieren
Der IWF hat gedroht, die Kreditlinie für Nicaragua zu sperren, wenn die Nationalversammlung die Verabschiedung des Haushaltes nicht zurücknehme und weitere Kürzungen einbaue. Präsident Bolaños hat, entsprechend den Forderungen des IWF, sein Veto gegen den vom Parlament beschlossenen Haushalt eingelegt. Das Parlament hatte einige Verbesserungen im Haushalt für die Lehrer, die Polizei und andere öffentliche Angestellte beschlossen.
Daniel Ortega(FSLN), forderte Bolaños auf, unmittelbar eine Steuerreform einzuleiten und die seit bis zu fünf Jahren ausstehenden Steuern von den Banken einzufordern.
Julia Mena Rivera, frühere Vizepräsidentin unter Violeta Chamorro, kritisierte die restriktiven Vorgaben des IWF, die die Leiden der Bevölkerung verstärken.

Die Bedingungen des IWF halten 37 % der schulpflichtigen Kinder davon ab,
die Schule zu besuchen

Nach offiziellen Angaben der nica-raguanischen Regierung konnten in 2002 832.000 Kinder nicht in die Schule gehen. Eduquemos – eine Nichtregierungsorga-nisation, schätzt die Zahl derjenigen, die nicht zur Schule gehen können, in Wirklichkeit auf mehr als 900.000. Ungefähr 1.550.000 Kinder beendeten das Schuljahr.
Ohnehin können die meisten nicara-guanischen Kinder nur die sechsjährigen Grundschule beenden. 37% aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 18 Jahren gehen nicht zur Schule.
Die Schulen in Nicaragua haben kürzlich mit der Registrierung für das neue Schuljahr, das im Februar 2003 beginnt, angefangen. In Übereinstimmung mit offiziellen Regierungserklärungen waren Informationen an den Schulen zu lesen, dass Erziehung ein garantiertes und kostenfreies Recht sei. Genauso groß waren aber andere Plakate, auf denen Eltern und Schüler/innen erklärt wurde, dass Schule zwar in der Theorie kostenlos sei, dass aber die Schulen von den Beiträgen der Eltern abhängig seien für die Unterhaltung der Schulgebäude, die Verwaltungskosten, die Bücher, und all die anderen nötigen Zutaten, ohne die Erziehung unmöglich wäre.
Die neuen Vereinbarungen für den IWF-Kredit fordern von der nicaraguanischen Regierung die Fortführung des Konzeptes der sogenannten „Schul-Autonomie“, das die staatliche Unterstützung für Schulen weiter reduziert. „Schul-Autonomie“ bedeutet, dass die Regierung nur noch die Lehrer/innengehälter, einige Spezialausbildungen und etwas für den Gebäudeunterhalt zahlt. Die Eltern haben für Zusatzgehälter, Schreibtische, Bücher und Material, Strom- und Wasserrechnungen und Reinigung der Schulen aufzukommen. Für viele Eltern bedeutet das, dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen können.

Nicaragua News Service, 28.01.2003

 
 
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Feministisches Treffen in Managua

Im November 2002 war der internationale Tag gegen die Gewalt gegenüber Frauen


Auf dem feministischen Treffen in Managua am 15. und 16. November wurde in einer Deklaration massiv der Einfluss der katholischen Hierarchie auf die Entscheidungen der politischen Parteien kritisiert.
Die politischen Entscheidungen zu Familie, Erziehung, Gesundheit und Jugend seien zunehmend durch die Führungshierarchie der katholischen Kirche beeinflusst, obwohl die Verfassung einen laizistischen Staat als Grundlage habe. Das sei um so scheinheiliger, als sowohl die politischen wie auch die religiösen Entscheidungsträger gemeinsam der Korruption angeklagt seien.
Der Einfluss der katholischen Kirche in Fragen der Sexualität und der weiblichen Reproduktion habe beängstigende Auswirkungen auf Psyche, Emotionen, soziale und familiäre Verhältnisse. 2002 seien mehr als 50 Frauen von ihren Männern, männlichen Familienangehörigen oder ihren Partnern ermordet worden.
Die staatliche Macht verfolge dis-kriminatorische Erziehungsmodelle, die die Unterordnung der Frauen und Mädchen zum Ziel habe.
Die Verschlechterung der Lebensverhältnisse zeige sich in der hohen Müttersterblichkeit, in der Zunahme der Aidsinfektionen auch bei Frauen, und den gesundheitlichen Folgen, die sich aus der Illegalität der Abtreibung ergebe.
Neben der Kritik an dem Einfluß der katholischen Kirche wurden die Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens ALCA und die Arbeitssituation für die Frauen in den Maquiladoras kritisiert.
Die politischen und ökonomischen Auswirkungen des Plan Puebla Panama und des ALCA werden zu einer weiteren Verschlechterung der Umweltbedingungen führen und damit die Lebensverhältnisse der Menschen noch mehr bedrohen.
In den Maquiladoras seien die Frauen aufgrund der Vereinbarungen , der Regierung mit ausländischen Investoren unmenschliche Arbeitsbedingungen zu akzeptieren
Die Deklaration schließt mit den Forderungen:
„Ohne Gleichheit gibt es keine Gerechtigkeit für das ganze nicaraguanische Volk
Ohne Beteiligung der Frauen am Entscheidungsprozess über die Ziele des Landes gibt es keine Demokratie.
Ohne Respekt vor dem Gesetz und der Verfassungsmäßigkeit (und mit einer immer weiter ansteigenden Armut) gibt es keine Zivilgesellschaft und eine Entwicklung ist nicht möglich.“
www.la-tertulia.net
No. 42 vom 23.11.2002

Kurze Notiz: La Ley de Igualdad de Oportunidad

Das Gesetz über die Gleichheit der Lebensmöglichkeiten für Männer und Frauen wurde im Jahr 2002 nicht von der nicaraguanischen Regierung verabschiedet. Es scheint auch weiterhin ideologische Hindernisse zu geben, das ausgearbeitete Gesetz zu verabschieden. „Diejenigen, die die Macht haben, akzeptieren nicht die Realitäten der Gesellschaft und es ist ganz einfach so, dass die Hälfte der Bevölkerung Frauen sind, deshalb müssen wir Regeln über Gleichheit haben.“
Xanthis Suarez, Bolsa de Mujeres
www.grupoese.com.ni/BolsadeNoticias

 

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Infostelle El Salvador in neuen Kleidern

Die Kaffeekampagne El Salvador stellt sich vor


Wie vielen sicherlich nicht entgangen sein wird, befand sich die Infostelle El Salvador seit einigen Jahren in einer Phase der schleichenden politischen Agonie. Intensive Rettungsversuche einer Arbeitsgruppe scheiterten letztlich, sodass die einzig sinnvolle Alternative zu einer vollständigen Auflösung war, die Infostelle formal von den AktivistInnen der Kaffeekampagne El Salvador weiterführen zu lassen, zumal es da einige personelle Überschneidungen gibt... Der Vereinssitz wurde von Köln nach Frankfurt, dem „Zentrum der Kaffeekampagne“ verlegt, Spenden und Zuschüsse wurden weitergeleitet, viele politische Betätigungsfelder der Infostelle (Kampagne saubere Kleidung, AG Landrechte, movida) mussten wegen der geringen personellen und organisatorischen Kapazitäten der Kaffeekampagne eingestellt werden.

Wer ist nun die Kaffeekampagne?

Zunächst einmal: Sie kommt aus der Solidaritätsbewegung, nicht aus dem Alternativhandel.
1989, in der heißen Endphase der salvadorenischen Befreiungskampfes, entwickelten einige Komitee-Mitglieder, angestoßen durch die Infostelle, eine Kampagne gegen den deutsch-salvadorenischen Kaffeehandel, um Druck auf die hiesigen Kaffeekonzerne auszuüben und die FMLN in ihrem Kampf zu stärken. Mit den Friedensverträgen von 1992 wurde diese Strategie obsolet. Da die Verträge im wirtschaftlichen Bereich kaum soziale Gerechtigkeit versprachen, beschloss die Kaffeekampagne weiterzuarbeiten. Ziel war es ab jetzt, den Kooperativsektor im Kaffeebereich zu unterstützen – gegen die „Kaffeebonzen“, die salvadorenischen Kaffeekapitalisten und die transnationalen Konzerne. Neben der Öffentlichkeitsarbeit – Infofaltblätter zum Kaffee, zu den Partnern, zweimal im Jahr Veröffentlichung der Beilage Kaffeeklatsch in der ila – wurde der Kaffeeverkauf zu unserem zweiten Standbein. Das label „La Cortadora – Kaffee für Land und Freiheit“ wurde entwickelt und der reine Hochlandkaffee von salvadorenischen Kooperativen über die MITKA importiert und gehandelt. Die Kaffeekampagne war und ist eine informelle Gruppe von etwa 15 Ehrenamtlichen von Hamburg bis Konstanz, von Berlin bis Frankfurt, von München bis Mannheim, die sich alle 2-3 Monate trifft, um ihr Informationsarbeit zu koordinieren, relevante politische Fragen (z.B. Zinsen im alternativen Kaffeehandel) zu diskutieren und den Kontakt mit den salvadorenischen Organisationen zu strukturieren. Auch Rundreisen von Gästen aus El Salvador sowie Kaffeedelegationen nach El Salvador haben wir organisiert.
Zur Zeit ist unser Hauptthema die weltweite Kaffeekrise.

Wir können die Infostelle El Salvador nicht ersetzen, können sie auch nicht in der gewohnten Form weiterführen. Wir hoffen jedoch, ihre Strukturen nutzen und ihr politisches Erbe weiterleben lassen zu können.

Kaffeekampagne El Salvador

 
 
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